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Editorial 6/2018: Missverständnisse im Datenschutz vermeiden

Der Datenschutz ist mit der Datenschutz-Grundverordnung im Positiven wie im Negativen in das Bewusstsein der Bevölkerung geraten. Dabei prägen häufig Halbwahrheiten und Missverständnisse das Bild, etwa zu Arztbesuchen.

Wer mit einer Erkältung zum Arzt geht, der möchte in erster Linie seine Bazillen loswerden. Weil man vor der Behandlung aber noch Informationen über die Grippe loswird, muss sich der Arzt erstmal mit dem Datenschutz des Patienten befassen. Das ist keine Schikane, sondern Datenschutzrecht und das tritt neben die Pflichten aus dem Arztvertrag. Unterlässt der Arzt die Dateninfo und schwärzt ihn ein Patient an, dann kann das teuer werden. Dabei geht es in der Regel gar nicht darum, ob der Arzt untersuchen darf. Das muss er ja. Zwecke, Umfang und Aufklärung über die Untersuchung ergeben sich schon aus dem Behandlungsvertrag. Das Tückische sind die neuen Zusatzpflichten des Datenschutzes. Patienten müssen über all das, was mit den erhobenen Daten geschieht, informiert werden und diese Information sind zu dokumentieren. Nicht vom Arztvertrag erfasst ist etwa die Abrechnung durch einen privaten Abrechnungsdienst. Ob der Patient alles gelesen hat, muss der Arzt sich wohl nicht unterschreiben lassen. Es dürfte reichen, dass die erfolgte Unterrichtung im Praxiscomputer vermerkt wird.

In der Praxis selbst ist Diskretion angebracht. Ob der Fußpilz bei Herrn Schmitz ähnlich schlimm juckt wie die Hämorriden letztes Jahr bespricht man besser nicht beim Check In. Datenschutzfreundlich zu sein, bedeutet unpersönlich zu sein. Wer das als Arzt ernst nehmen will, der kann Nummern verteilen. Herr Schmitz, dessen Krankengeschichte das Wartezimmer ja von der Begrüßung kennt, wird zur Nummer 12 und geht in Zimmer drei. Natürlich ist es auch kein Gewinn, wenn man den Fußpilz ohne Namensnennung in Zimmer drei schickt. Zum Glück lässt die Aufsicht hoffen. Aus dem LDA in Bayern heißt es auf die Frage: „Dürfen Patientinnen und Patienten in der Praxis oder am Telefon noch mit dem Familiennamen angesprochen werden oder muss anonymisiert werden?“ offiziell: „Ja, an dieser Praxis sozial- und grundrechtsadäquaten Praxis hat sich auch durch den Erlass der DS-GVO nichts geändert.“ Es lebe der Datenschutz mit Augenmaß.

Es gilt jetzt das Thema Datenschutz konstruktiv und fair zu behandeln. Ein wichtiges Forum dafür ist die 42.DAFTA am 15. und 16. November 2018 in Köln .

Ihr

Rolf Schwartmann

Rolf Schwartmann

 

 

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(Foto: © Stauke/Fotolia.com)