Kundenservice Veranstaltungen: 02234-9894940
Kundenservice Bücher: 089-21837921
Aboservice Zeitschriften: 089-21837110

Digitale Totenruhe

Netzblick 2/2019

„Niemals geht man so ganz“. Der Satz von Trude Herr stimmt in der Digitalisierung in besonderer Weise. Unsere Persönlichkeit ist im Netz über den Tod hinaus über unsere persönlichen Daten präsent. Sie sind unser digitaler Nachlass. Im Netz kursieren insbesondere in sozialen Netzwerken Massen von persönlichen Informationen über Verstorbene. Man kann nicht nur deren Bilder gegen deren Willen verwenden. Es ist auch möglich die Daten über die Nutzung von Diensten durch Verstorbene etwa für wirtschaftliche Zwecke auszuwerten. Nach mir die Sintflut in Form der Digitalisierung ist die einfachste Lösung. Für alle, die ihren persönlichen Achtungsanspruch und ihre Datensouveränität mit ins Jenseits nehmen möchten, ist das aber nicht der Königsweg. Rechtlich ist vieles ungeklärt. Die Rechtsprechung geht davon aus, dass man ein Facebook-Konto wie ein Tagebuch erben kann. Das überzeugt viele nicht. Schließlich sind auch Einträge Dritter betroffen und eine Timeline kann man eher mit der Aufzeichnung aller Telefongespräche des Verstorbenen als mit einem Tagebuch vergleichen. Um seine digitale Totenruhe und den digitalen Nachlass sollte man sich zu Lebzeiten ebenso kümmern, wie um den körperlichen Nachlass. Die Anwendungsfelder sind vielfältig und die Probleme sind ethischer und rechtlicher Natur. Was nimmt man in ein Datentestament auf und wer kontrolliert die Einhaltung des letzten Willens im Netz? Da die Daten verstorbener Menschen nicht dem Datenschutzrecht unterfallen, muss der Gesetzgeber entscheiden, ob Facebook & Co. das was im Netz von uns übrig bleibt als Datenpool nutzen dürfen, um das Nutzerverhalten zu Lebzeiten auszuwerten. Gleiches gilt für die Nutzung von Daten Verstorbener zu medizinischen Forschungszwecken. Bis auf weiteres sind Angebote im Netz, die bei der Regelung des digitalen Nachlasses helfen, ebenso sinnvoll wie Bestattungsinstitute. Wer erste Hinweise sucht, findet sie bei www.machts-gut.de, einem Angebot  der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. 

Passende Artikel
Zeitschrift RDV

Prof. Peter Gola, RA Andreas Jaspers, Prof. Dr. Rolf Schwartmann

155,00 €

Preis für Jahresabonnement Inland