Kundenservice Veranstaltungen: 02234-9894940
Kundenservice Bücher: 089-21837921
Aboservice Zeitschriften: 089-21837110

Beethoven als KI-Zombie

Netzblick 1/2020

Franz Kafka war ein sensibler Mensch, der viel geschrieben aber nicht veröffentlicht hat. Weltliteratur wurden seine Werke nach seinem Tod gegen seinen letzten Willen. Was hätte er dazu gesagt, wenn Mathematik und Algorithmik ein von ihm unvollendetes Werk „vollendet“ hätte? Nach komplexen mathematischen Methoden zusammengeschaltete Elektronik in einem Computer soll nun Beethovens unvollendete 10. Symphonie „vollenden“. Ist das schönes Geschenk zum 250 Geburtstag eines Genies, dessen vollendete Seele ein unvollendetes Werk hinterlassen hat?  Das ist ein Experiment mit künstlicher Intelligenz und zugleich ein postmortaler Übergriff auf Persönlichkeit, dessen Schöpfungen seinen Tod überlebt haben. Wissenschaftler wollen einen Algorithmus so trainieren, dass er die vielen unvollendeten Passagen nach „Beethoven-Art“ ergänzt. Keiner weiß, was dabei herauskommt. Hätten Verstorbene noch Persönlichkeitsrechte, dann wäre das ein massiver Eingriff in diese Rechte. Die Datenethikkommission der Bundesregierung empfiehlt, Regelungen für über den Tod hinaus nachwirkenden Rechte zu schaffen. Sie will verhindern, dass Facebook & Co. sich an Daten Toter vergreifen. Auch Beethoven verdient Schutz vor künstlicher Intelligenz. Sie kann Segen für die Menschheit bringen. Man muss ihr aber Grenzen aufzeigen. Natürlich ist Beethovens Werk längst nicht mehr urheberrechtlich geschützt. Wir haben die ethische Pflicht, ihn nicht per moderner Technik zum Zombie zu machen.

 

Passende Artikel
Zeitschrift RDV

Prof. Peter Gola, RA Andreas Jaspers, Prof. Dr. Rolf Schwartmann

155,00 €

Preis für Jahresabonnement Inland