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Ghostdate ins Glück

Netzblick 3/2018

Das Liebesglück macht meist keine Hausbesuche. Drei von Zehn Deutschen suchen es laut Bitkom deshalb in Singlebörsen. Aber auch dort ist der Weg zum Glück oft mühsam. Das Erfolgsrezept witzig und am potentiellen Partner interessiert zu sein, beherrscht nicht jeder. Manchem fehlt auch schlicht die Zeit. Hätte man nur einen Ghostwriter für Liebesbriefe wie Cyrano de Bergerac oder einen Coach, wie Hitch den Date-Doktor. So etwas kann man heute buchen. „Ghostdating“-Dienste heißen „Weedate“, „Suredate“ oder „Die Herzschreiber“. Man meldet sich in einer Singlebörse an, wählt dort Favoriten aus und die Partneransprache inklusive zeitraubender Korrespondenz übernimmt ein diskreter Servicemitarbeiter. Dort nimmt man dann auch auf die Fotos Einfluss. Schließlich hat nicht jeder Mann ein Gespür dafür, dass viele Frauen sich in eher in ein gewinnendes Lächeln auf dem Foto verlieben, als in einen strahlenden Biker, der noch verzückt vom letzten Geschwindigkeitsrausch vor seinem Motorrad posiert. Die Hochzeit kann man dort allerdings nicht buchen. Versprochen ist nur das Date. Dorthin geht man selber und nicht das geistreiche Alter Ego. Natürlich ist es schlecht, wenn sich der charmante Romantiker aus der Paarbörse als Workaholic mit Wortfindungsproblemen entpuppt. Unverzichtbar dürfte es sein, sich auf das einseitige Blinddate nach Aktenlage gut vorzubereiten. Wenn es klappt, stellt sich die Frage, ob man die die Lüge aufklärt. Das wäre einerseits unromantisch. Andererseits ist das neue Glück auf Schwindelei aufgebaut, wenn man nichts erzählt. Es ist bitter und tröstlich zugleich, wie die moderne Technik uns dabei hilft, die letzten Bastionen der Intimität zu organisieren. Ghostdating ist das Ende der Romantik, aber wenn es gut geht der organisierte Weg ins Glück: Ein spezieller Fall von Fluch und Segen der Technik.